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Silvester mit Katze: Es geht los!

Silvester mit Katze: Es geht los! © grafikplusfoto - stock.adobe.com Silvester mit Katze: Es geht los!

Katzen gewöhnen sich in ihrem Leben nur selten an Feuerwerk & Co und die meisten von ihnen reagieren stark gestresst. Die außergewöhnlichen Eindrücke an Silvester wirken beängstigend und rufen physiologische Stress-Reaktionen hervor. Muss die Katze den Jahreswechsel überhaupt “mitfeiern”? Oder können wir als ihr Sozialpartner stattdessen durch gezielte Maßnahmen Einfluss auf sie nehmen und ihr so am 31. Dezember unterstützend zur Seite stehen?

Katzen können sich in der Regel an viele Umwelteindrücke gewöhnen und sie mit der Zeit gelassen hinnehmen. Der Jahreswechsel jedoch ist ein so außergewöhnliches Ereignis, dass er einer Katastrophe für die Katze gleichkommt.

Der Hauptgrund liegt darin, dass Feuerwerk und Knaller - ihrer Aufgabe entsprechend - in starkem Maß beeindrucken und dazu aber so selten auftreten, dass eine kontinuierliche Gewöhnung kaum möglich ist. Das betrifft sowohl den Lärm als auch die zahlreichen Lichtblitze: Sie werden von Katzen als große Bedrohung empfunden und lösen Stress aus. Außerdem lässt die menschliche Bezugsperson dem Jahreswechsel besondere Aufmerksamkeit und damit große Bedeutung zukommen, sodass die Wirkung der Stressoren oft noch verstärkt wird.

Ähnliche Reaktionen können wir auch bei anderen Feierlichkeiten, wie z.B. Geburtstagen, Kirmes oder Schützenfest beobachten.

Dem Wohlbefinden der Hauskatzen zuliebe ist es zunächst wichtig, die Reaktionen der Katze einzuschätzen, um passende Maßnahmen zur Stressreduzierung treffen zu können. Einige Vorkehrungen sind allgemein sinnvoll, andere v.a. für ängstliche Katzen empfehlenswert.

Die meisten Katzen reagieren auf laute, abwechslungsreiche Geräusche am Himmel schockiert. Die meisten Katzen reagieren auf laute, abwechslungsreiche Geräusche am Himmel schockiert. (© Birgit Rödder)

Allgemeine Empfehlungen

Viele Katzen sind an Silvester "einfach verschwunden". Sie verstecken sich, um den furchterregenden Eindrücken möglichst zu entgehen. Ein sicheres Versteck ist aus Katzensicht nützlich, aus Menschensicht aber nicht besonders hilfreich.

Besser ist es, wenn der Besitzer einige Vorbereitungen zum Entschärfen und Überdecken der bedrohlichen Eindrücke trifft:

  • Lassen Sie Ihre Freigänger-Katzen nicht mehr nach draußen, wenn die Knallerei merklich zunimmt - dieser Zeitpunkt liegt regional sehr unterschiedlich. Im Haus sind Feuerwerk und Knaller nicht so bedrohlich wie im Freien.
  • Schließen Sie Türen und Fenster sowie Rollos, Fensterläden und Vorhänge. Dies reduziert den Lärm und lässt die Leuchteffekte im besten Fall gar nicht in die Wohnung.
  • Schalten Sie alle Lichter in der Wohnung an, damit die restlichen, von draußen einfallenden Lichtfontänen deutlich weniger auffallen.
  • Schalten Sie Hintergrundgeräusche ein, die die Katze kennt, z.B. Musik oder ein Video, die den Böllerlärm übertönen und von ihm ablenken. (Aber nur wenig lauter als üblich, um die Katze nicht zusätzlich zu verängstigen.)

Gesellschaft bieten und den Fokus ändern

Am besten helfen Sie Ihrer Katze, wenn Sie Silvester einfach "ausfallen" lassen! Das Empfinden der Katze lässt sich positiv beeinflussen, wenn Sie Silvester daheimbleiben und damit wesentlich zur Beruhigung und Ablenkung der Katze beitragen.

Beschäftigen Sie sich mit Ihrer Katze/Ihren Katzen und füttern Sie sie zeitig vor Mitternacht, da Katzen zum Fressen Ruhe brauchen. Sie können - um den Fokus der Katze zu ändern - kurz vor dem Jahreswechsel mit einem spannenden und beliebten Spiel beginnen, z.B. mit Katzenangel oder Bällchen. Starten Sie dieses jedoch nicht zu früh, damit die Katze nicht im entscheidenden Moment die Lust am Spiel verliert und sich doch noch auf das Feuerwerk konzentrieren kann. Halten Sie möglichst lange durch, am besten bis gegen Ende der Knallerei. Nachzügler der "freudigen Mitteilungen" wirken meist weniger einschüchternd. Außerdem hat während des Spiels schon eine gewisse Desensibilisierung stattgefunden und es ist aus Katzensicht nur noch halb so wild.

Am nachhaltigsten greift eine solche Maßnahme natürlich, wenn die Katze schon ihr allererstes Silvester in dieser Form erleben kann.

In einem spannenden Spiel gefangen ist Silvester nur halb so schlimm.In einem spannenden Spiel gefangen ist Silvester nur halb so schlimm. (© Birgit Rödder )

Gemeinsam entspannen

Gering beeindruckten Katzen können Sie gerne Gesellschaft leisten. Trotz leichter Anspannung beobachten diese - z.B. vom Fensterbrett aus - das bunte Geschehen draußen. Entspannen Sie die Situation weiterhin in dem Sie essen oder trinken, auf eine lockere Körperspannung achten, lachen oder kichern. Sie können auch herzhaft, ohne Hand vor dem Mund, sichtbar gähnen: das kann auf die Katze zusätzlich beruhigend wirken. Natürlich können Sie sich auch anderen alltäglichen Tätigkeiten widmen. Dadurch zeigen Sie Ihrer Katze, dass Sie nicht beeindruckt sind oder sich gar bedroht fühlen, das Feuerwerk also als harmlos einstufen. Mit einer ausgesprochenen Schmusekatze ist es sinnvoll, genau das weiterzumachen, was Sie schon kurz vor dem einsetzenden Lärm begonnen haben: streicheln oder nur Körperkontakt halten. Bei einer guten Beziehung der Katze zu Ihnen sind Sie ihr ein wichtiges Vorbild!

Langsames Streicheln wirkt beruhigend, wenn man schon vor einem bedrohlichen Ereignis damit begonnen hat.Langsames Streicheln wirkt beruhigend. (© Birgit Rödder)

Nicht bedrängen

Gestresste Katzen empfinden aufgezwungene Nähe als zusätzliche Bedrohung. Kommt Ihr Tier nicht von selbst auf Sie zu, versuchen Sie nicht, Ihre Katze durch Streicheln o.ä. zu beruhigen. Besonders, wenn Ihre Katze zu starken oder extremen Reaktionen neigt. Auch wenn Sie es gut meinen, verschlimmern solche Annäherungsversuche die Stress-Situation in der Regel. Selbstverständlich hilft es auch nicht bei Angstreaktionen zu schimpfen!

Kontrollierter Rückzug

Wenn die Silvesteraktivitäten Ihre Katze stark oder extrem beeindrucken, ist sie an einem sicheren Rückzugsort durchaus gut aufgehoben. Diesen sollte sie bereits kennen und mögen. Begleiten oder locken Sie Ihre Katze schon vor dem großen Getöse dorthin. Am besten eignet sich ein abseits liegender, ruhiger Raum, der möglichst dicht nach außen abgeschirmt, aber nicht verschlossen ist. Stellen Sie ihr an diesem Ort selbstverständlich mindestens ein Katzenklo, Kratzmöbel, Wasser und etwas Futter zur Verfügung, auch wenn sie es vielleicht aufgrund der Stresssituation nicht annehmen wird.

Kleinräumig sind etwa Katzenhöhlen oder ein Bettkasten (oder unter der Bettdecke) gute Verstecke. Oder Sie präparieren eine Katzenhöhle mit solidem Rahmen, indem Sie sie bis auf einen kleinen Eingang dicht mit dicken Decken umwickeln. Sorgen Sie wie oben beschrieben dafür, dass die Reize von außen abgeschirmt sind oder überlagert werden, ohne die Katze damit zusätzlich zu verängstigen. Dies empfiehlt sich auch für die Kombination menschenscheue Katze und Gäste - wenn sie denn kommen müssen.

Kehren Sie sobald wie möglich wieder zum normalen Tagesablauf zurück. Am Neujahrstag wird gelegentlich noch geböllert, aber diese Aktivitäten lassen nach. Halter von Katzen mit Freigang müssen individuell abschätzen, wie viel laute Geräusche noch zu erwarten sind und ob die Katze dadurch in Panik geraten kann. Eventuell ist es dann doch sicherer, für sie noch einen "Feiertag" im Haus einzuplanen, versüßt mit Extra-Leckereien und gemeinsamen Aktivitäten.

Die Idealvorstellung der meisten Katzen wäre natürlich, Sie würden auf Knaller, Böller & Co.am besten verzichten! Denn sie belasten die Umwelt und alle Lebewesen, die nicht “feiern” möchten.

Diplom-Biologin Birgit Rödder

Die Diplom-Biologin Birgit Rödder studierte Biologie an der Universität Bonn und Tierpsychologie an der Open University of Veterinary Science in London. Sie ist seit 1997 selbstständig als Tierverhaltenstherapeutin und Tierpsychologin tätig, hat für die ATN mehrere Skripte zur Ethologie der Hauskatze verfasst und betreut unsere Studierenden der Katzenverhaltensberatung und der Tiergestützten Arbeit mit Katzen als Tutorin und Dozentin. Als echte Spezialistin in Sachen Katzenverhalten hat sie den Buchmarkt mit zahlreichen Publikationen bereichert, darunter etwa die "Katzen Clicker-Box" und „Was Katzen wirklich wollen“ in Zusammenarbeit mit Dr. Mircea Pfleiderer. Als ATN-Dozentin lehrt Birgit Rödder bereits seit 2009 die Ethologie der Katze und im Bereich Tierpsychologie u.a. die Themen Lernverhalten, Verhaltenstherapie und Mehrkatzenhaltung.

Webseite: https://catility.de

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