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Silvester mit Hund: Tipps für kurzfristige Hilfe!

Silvester mit Hund: Tipps für kurzfristige Hilfe! Gabi Stickler - stock.adobe.com Silvester mit Hund: Tipps für kurzfristige Hilfe!

Leidet Ihr Hund an Silvester? Auch noch kurz vor, während und nach Silvester können Sie dafür sorgen, dass Ihr Hund gelassener bleibt. Gutes Management, Ablenkung und gezielte Unterstützung durch den Menschen helfen dabei. Auch Arzneimittel aus Schulmedizin und Naturheilkunde können in bestimmten Fällen gezielt eingesetzt werden. Sollte Ihr Hund sich doch einmal erschrecken, sollten Sie schnell eingreifen, um zu verhindern, dass Ihr Hund ein Angstproblem entwickelt.

Die folgenden zwei Fragen können darüber entscheiden, wie schön oder leidvoll das nächste Silvester sein könnte:

1. Wie schlimm war Silvester letztes Jahr?
2. Woran erkenne ich an meinem Hund, dass er Angst hat?

Im vorangegangenen Artikel konnten Sie lesen, woran Sie Angst beim Hund erkennen können und welche langfristigen Maßnahmen schon weit vor Silvester ergriffen werden können, um einem ängstlichen Hund durch die Silvesterzeit zu helfen. Zur rechtzeitigen Vorbereitung gehören in jedem Fall professionelle Hilfe und unterstützende Mittel.

Aber auch kurzfristig können wir unserem Tier zu Silvester noch unterstützend zur Seite stehen. Dazu ist es sinnvoll, die Silvesterwoche und einige Tage nach Silvester mit gutem Management und einem Notfallplan zu strukturieren.

Es ist wichtig, dass Sie in der Woche vor Silvester für eine entspannte Zeit sorgen.Es ist wichtig, dass Sie in der Woche vor Silvester für eine entspannte Zeit sorgen. (© K.Thalhofer - stock.adobe.com)

Nach Weihnachten

Wenn Sie in der Woche vor Silvester für eine entspannte Zeit sorgen, dann wird die Silvesternacht für Ihren Hund einfacher. Es ist wichtig, diese Woche angenehm zu gestalten. Dabei hilft Ihnen Folgendes:

1. Management

Grundsätzlich sollte Ihr Hund in der Silvesterzeit draußen an der Leine bleiben! Jedes Jahr werden Hundehalter davon überrascht, dass ihr - bis dahin nervenstarker - Hund plötzlich in Panik wegrennt.

Wählen Sie für Ihre Spaziergänge Uhrzeiten und Umgebungen, in denen nicht geknallt wird. Halten Sie Ausschau nach potentiellen Knallverursachern (zum Beispiel Kinder, die sich „verdächtig“ verhalten). Rufen Sie ihnen zu, sobald Sie in Hörweite sind. Die meisten sind bereit, nicht zu knallen, solange Sie mit Ihrem Hund in der Nähe sind.

Sprechen Sie auch mit Ihren Nachbarn. Erklären Sie die Bedürfnisse Ihres Hundes und bitten Sie darum, mit der Knallerei Abstand zu Ihrem Hund und Ihrer Wohnung zu halten.

2. Notfallmaßnahmen

Wenn Ihr Hund sich auf dem Spaziergang doch erschreckt, könnten zB. folgende Maßnahmen helfen:

  • Entfernen Sie sich vom Knall-Ort. Es könnte sonst sein, dass es dort noch einmal kracht.
  • Rennen: Laufen Sie los. Bieten Sie Ihrem Hund die Flucht als Bewältigungsmöglichkeit!
  • Spiel: Spielt Ihr Hund gern? Laufen Sie ein Stück und spielen Sie dann mit Ihrem Hund.
  • Fressen: Kann Ihr Hund immer fressen? Dann darf er sich jetzt an einem Kauartikel, mit Lecken an einer Futtertube oder mit Futtersuche im Gras ablenken.
  • Kuscheln: Freut sich Ihr Hund über Berührungen? Dann dürfen Sie ihn jetzt streicheln.
  • Es ist außerdem wichtig, dass Sie gelassen und optimistisch bleiben. Ihr Hund sollte nicht wahrnehmen, dass Sie sich Sorgen machen!

Nach einem Schreck wird Ihr Hund vermutlich etwas Erholung brauchen. Lassen Sie ihn schlafen und beobachten Sie, wie lange er braucht. Manche Hunde möchten sich länger als ein paar Stunden erholen. Achtung: Wenn Ihr Hund stunden- oder tagelang ängstlich bleibt, brauchen Sie umgehende Hilfe von einer Fachperson.

3. Medikamente

Es kann sinnvoll sein, in den Wochen vor und nach Silvester schulmedizinische Beruhigungsmittel zu geben. Dazu eignen sich sogenannte Benzodiazepine. Sprechen Sie mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt darüber, ob eine Unterstützung durch ein Beruhigungsmittel sinnvoll ist. Sie können ein solches Mittel vor, während und nach Silvester einsetzen – je nachdem, wie viel in Ihrer Umgebung geknallt wird, und wie ängstlich Ihr Hund ist. Meistens werden Benzodiazepine (zum Beispiel Alprazolam oder Diazepam) und Dexmedetomidin eingesetzt. Benzodiazepine werden am besten rechtzeitig gegeben, bevor es knallt. Dexmedetomidin kann noch später eingesetzt werden.

Die Wirkung dieser Medikamente kann von Hund zu Hund unterschiedlich sein. Deswegen brauchen Sie tierärztlichen Rat, und die Mittel sollten vor dem Ernstfall ausprobiert werden! Es gilt jedoch immer: Egal welches Medikament sie verwenden: Bleiben Sie bei Ihrem Hund, auch wenn er schläft.

Achten Sie darauf, beim Spaziergang an Silvester keine Knallerei zu hören.Achten Sie darauf, beim Spaziergang an Silvester keine Knallerei zu hören. (© Kzenon - stock.adobe.com)

Gestaltung des Silvester-Tags

Machen Sie sich und Ihrem Hund einen entspannten Silvestertag und lassen Sie es ruhig angehen. Reduzieren Sie Stress! Achten Sie an diesem Tag besonders darauf, auf dem Spaziergang keine Knallerei zu hören. Ansonsten halten Sie die gewohnte Routine soweit wie möglich bei. Trotzdem können natürlich laute Geräusche das Gehör des Hundes sensibilisieren und unruhig machen. Um Ihren Hund den Silvesterabend zu erleichtern, können Sie:

1. Einfach wegfahren.

In manchen Gegenden wird ausschließlich am Silvesterabend oder sogar nur ein paar Stunden um Mitternacht geknallt. Dann können Sie kurz vorher auf einen einsamen Parkplatz fahren, etwa in ein Gewerbegebiet, an den Waldrand oder ins Feld. Beliebt sind auch Autobahnen: Manche Hundemenschen fahren einfach ein paar Stunden langsam über die menschenleere Bahn. Oder sie verschlafen Silvester auf einem kleinen Rastplatz. Egal wohin Sie fahren: Sie können sich dort mit anderen Hundehaltern verabreden, um auf hundetaugliche Weise Silvester zu feiern!

2. Störreize von außen reduzieren.

In welchem Raum in Ihrer Wohnung sind am wenigsten Geräusche von draußen zu hören? Dort sollten Sie sich nun aufhalten. Ein laufender Fernseher (nicht zu laut), Radio oder Musik können lautes Knallen überdecken. Wenn Ihr Hund seine Hundebox kennt und liebt, können Sie diese mit dicken Decken versehen – auch das wirkt dämpfend. Lassen Sie die Jalousien herunter oder ziehen Sie die Gardinen zu – damit Ihr Hund keine Licht-Effekte sieht.

3. Außerdem kann die Bezugsperson helfen.

Machen Sie es sich gemütlich! Wenn Sie sich wohl fühlen und entspannt sind, dann fällt es Ihrem Hund leichter, Ihrem Vorbild zu folgen. Kuscheln Sie mit Ihrem Hund oder sorgen Sie auf andere Weise dafür, dass er sich richtig gut und gelassen fühlt. Und wenn es knallt, dann lenken Sie Ihren Hund ab!

4. Ablenkungen

Lenken Sie Ihren Hund vom Krach ab. Wählen Sie aus, was zu Ihnen und Ihrem Hund am besten passt. Am besten verwenden Sie dabei Dinge, die Ihr Hund sehr gern mag, und die ihn über längere Zeit ablenken. Beispiele dafür sind:

  • Spielen Sie so lange es knallt! Sie können das Spielzeug werfen und bringen lassen, oder es verstecken, so dass Ihr Hund es suchen muss.
  • Sind Sie mit Massage, TTOUCH oder anderen Entspannungstechniken für Hunde vertraut? Dann können diese jetzt angewendet werden.
  • Kauartikel, die Ihr Hund sehr gerne mag, können ebenfalls verwendet werden. Besorgen Sie ausreichend davon!
  • Futterspielzeuge wie der Kong oder ein Toppl können mit feuchtem Futter gefüllt, eingefroren und während der Knallerei angeboten werden. Wenn Ihr Hund einen belastbaren Magen hat, kann können Sie verschiedene streichfähige Substanzen (Erdnussbutter, Hummus, Schmierkäse, Quark, Wurst, Fischpaste…) benutzen, die Sie immer wieder neu an die Wände des Spielzeugs schmieren.
  • Viele Hunde lieben Übungen und Tricks. Das können Sie ausnutzen. Spulen Sie einfach das ab, was Ihr Hund kann. Verwenden Sie vor allem solche Übungen, die etwas länger dauern und bei denen sich Ihr Hund konzentrieren muss, wie etwa Suchspiele.

Übrigens: Wenn Sie Fressbares für diese Übungen als Belohnung verwenden, dann vergessen Sie für diesen Abend Ihre Sorgen um Kalorien oder ausgewogene Ernährung. Aber verwenden Sie nur Dinge, die Ihr Hund verträgt!

Manchmal wird es nicht möglich sein, Ihren Hund abzulenken. Dann bleiben Sie bei ihm und unterstützen ihn, auch wenn er Angst hat. Bieten Sie ihm Körperkontakt an und sprechen Sie mit ihm. Die Aussage, dass „Trost“ die Angst des Hundes verschlimmert, ist veraltet. Auf jeden Fall sollten Sie sich so selbstsicher, freundlich und entspannt wie möglich verhalten.

Am Tag danach

Bieten Sie die normalen Routinen an, aber: Lassen Sie Ihren Hund so viel wie möglich ruhen. Auf Ihren Spaziergängen gehen Sie weiterhin Knallerei aus dem Weg und lenken Ihren Hund ab, wenn es doch einmal kracht. Rechnen Sie außerdem damit, dass Müll auf den Straßen liegt – auch Essensreste oder Erbrochenes.

Wenn Ihr Hund sich in einem Zustand der Angst befindet und sich nicht oder nur sehr schlecht entspannt, dann suchen Sie bitte umgehend professionelle Hilfe. Ein Trainer oder Verhaltenstherapeut kann Ihnen langfristige Tipps geben, wie Sie Ihren Hund aus diesem Zustand herausbringen. Für den Notfallmoment kann ein Tierarzt diesen ungünstigen Prozess mit einem Medikament unterbrechen.

Natürlich hoffen wir, dass Ihr Hund cool und entspannt mit Silvester umgehen kann und dass das auch so bleibt!

Wir wünschen Ihnen einen sorgenfreien Silvesterabend!

Quellen:

Del Amo, S. (2016) Geräuschangst meistern, CreateSpace Independent Publishing Platform
Korpivaara, M.
Laapas, K., Huhtinen, M.
Schöning, B., Overall, K. (2017) Dexmedetomidin oromucosal gel for noise-associated acute anxiety and fear in dogs – a randomised, double.lind, placebo-controlled clinical study Veterinary Record, April 8
Liles C.C. (2019) Sound Sensitivities and Phobias, Webinar, dog-ibox
Riemer, Stefanie (2019) Effektiveness of treatments for firework fears in dogs PLOS ONE
Schroll, S., Dehasse, J. (2016) Verhaltensmedizin beim Hund, Enke Verlag

Maria Hense

Die Tierärztin Maria Hense erwarb ihr umfangreiches Wissen über Hunde durch Beobachtungen an Wölfen, Pudelwölfen und Hunden. Zahlreiche Fortbildungen über Ethologie, Haltung und Verhalten von Haustieren sowie Verhaltenstherapie folgten. Dieses Wissen vermittelt sie in ihrer verhaltenstherapeutischen Tierarztpraxis und als Hundetrainerin. Ihre Ziele: psychisch gesunde, alltagstaugliche Hunde, zufriedene Besitzer und artgerechte Beschäftigung des Hundes. Dabei setzt sie auf Problemlösungen, die Hund und Mensch nicht unter Druck setzen und ohne Zwangsmittel auskommen. 2010 erschien ihr Buch "Der hyperaktive Hund". Zusammen mit Christina Sondermann verfasste sie die Bücher "Spiele für die Hundestunde" (2007) und "Perspektivwechsel" (2014). Maria Hense hält Seminare für Hundebesitzer, Trainer sowie Verhaltenstherapeuten und ist seit vielen Jahren als Dozentin, Autorin und Tutorin für die ATN tätig.

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