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Hund im Winter: Zwischen Kälte und Langeweile

Hund im Winter: Zwischen Kälte und Langeweile Patricia Lösche Hund im Winter: Zwischen Kälte und Langeweile

Kälte, Langeweile: Hunde müssen im Winter einiges wegstecken. Die körpereigene Immunabwehr kommt durch nasskalte Witterung, kurze Tage, starke Temperaturschwankungen und weniger Bewegung an ihre Grenzen. Spaziergänge sind kürzer, Begegnungen mit Hundefreunden seltener. Da gerät auch die Hundepsyche etwas in Schieflage. Was zusätzlich auf das Immunsystem schlagen kann. Aber was genau ist daran eigentlich so belastend?

Zwischen Kälteschock und Sauna

Der Wechsel zwischen geheizten Innenräumen und Minusgraden stellt hohe Anforderungen an die Thermoregulation des Hundes. Thermoregulation, das ist der Mechanismus, mit dem ein Körper seine Normaltemperatur aufrecht erhält. Wir ziehen unsere Winterjacken drinnen aus, Hunde dagegen stecken bis zum Frühjahr in ihrem Winterpelz fest. Bei einem gesunden Hund hat er sich bereits im Herbst auf Kälte umgestellt. Jetzt ist unser Hund in seinem Winterfell einer Temperaturdifferenz zwischen drinnen und draußen ausgesetzt, die in strengen Wintern 30 – 40 Grad oder sogar mehr betragen kann. Die Körperinnentemperatur muss trotzdem mit durchschnittlich 38 Grad sehr konstant gehalten werden, da gibt es wenig Toleranz. Eine enorme Anpassungsleistung, die dem Körper da abverlangt wird.

Hunden mit dichtem Winterfell macht Kälte wenig aus.Hunden mit dichtem Winterfell macht Kälte wenig aus. (© Patricia Lösche)

Aber Fell wärmt nicht immer. Wie gut es isoliert hängt davon ab, wieviel Luft sich zwischen den Haaren hält. Hunde mit viel Unterwolle und Rassen, die wie Huskys und Malamuts aus kalten Regionen stammen, haben kein Kälteproblem. Rassen wie Rhodesian Ridgeback oder Doggen haben Kälte und Nässe wesentlich weniger entgegen zu setzen. Wer sie nass im ungeheizten Flur auf kalten Fliesen oder dünnen Tüchern liegen lässt, damit der Teppich im Haus nicht wie nasser Hund riecht und schmutzig wird, riskiert, dass der Hund krank wird. Insbesondere Hunde mit Erkrankungen des Bewegungsapparates sollten nie auskühlen. Ein saugfähiger, trockener und wärmender Liegeplatz stresst den Körper weniger, das entlastet das Immunsystem. So kann es sich besser auf die Bekämpfung von Krankheitserregern konzentrieren.

Kälteempfindung ist individuell

Ob ein Hund besser mit der Kälte oder der Wärme zurechtkommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hunden vom Windhund-Typ macht vor allem die Kälte zu schaffen. Ihre hageren Top-Model-Figuren, ihr dünnes Fell haben Minusgraden wenig entgegen zu setzen. Sie und alle anderen, denen der Mensch ein dünnes Fell angezüchtet hat, dürfen darum gern in norddeutsch-praktischem Drei-W-Outfit Gassi gehen: Wasserfest, winddicht und wärmend. Das gilt ebenso für kranke Hunde. Hunde mit sehr dickem Winterfell – Eurasier beispielsweise - freuen sich dagegen über die Kälte, während sie vor Fußbodenheizungen und sommerlichen Wohnungstemperaturen am liebsten auf einen kühleren Platz flüchten, der ihnen zur Verfügung stehen sollte.

Zusätzliche Belastung der Atemwege

Während Hunde drinnen vom Sommer mit all seinen Vorzügen träumen, trocknet Heizungsluft ihre Nasenschleimhaut aus. Gleichzeitig inhalieren sie länger und häufiger die Reizstoffe der Umgebung als im Sommer, mit seinen langen Hundespaziergängen und Aufenthalten an frischer Luft. Putzmitteldunst, Chemikalien aus Kunststoffen in der Wohnumgebung, Hausstaub und Allergene können dadurch länger einwirken. Auf der trockenen Nasenschleimhaut halten sich außerdem Reizstoffe länger und belasten stärker als sonst das Immunsystem. Vor allem bei Tieren, bei denen es schon unter normalen Bedingungen maximal ausgereizt ist, steigt dadurch das Infektionsrisiko.

Andauernder Husten, Atemgeräusche und Nasenausfluss müssen unbedingt diagnostisch abgeklärt werden. Bei Infektionen das Immunsystem zu stärken ist aber immer eine gute Idee. Auf therapeutischer Basis bieten vor allem naturheilkundliche Mittel dazu ein breites Spektrum an Therapiemöglichkeiten. Mit deren Anwendung sind vor allem gut ausgebildete Tierheilpraktiker vertraut.

Hunde können im Winter ebenso wie Menschen unter Winterblues leiden.Hunde können im Winter ebenso wie Menschen unter Winterblues leiden. (© Patricia Lösche)

Winterspeck durch weniger Bewegung

Als wäre das alles nicht genug. Der Bewegungsmangel hat physische Folgen. Er lässt das Blut langsamer fließen, denn das Herz-Kreislauf-System arbeitet nicht mehr so oft im optimalen Leistungsspektrum. Der Austausch in den Organen ist dadurch ebenfalls winterlich träge - mit Folgen für die Entgiftung des Körpers, was sich ebenfalls auf die Immunkompetenz auswirken kann. Wird die Fütterung nicht fachgerecht dem geringeren Energiebedarf angepasst, bleibt jetzt unverbrauchte Energie in einer wachsenden Isolierschicht aus Fett auf den Rippen liegen und belastet den Organismus mit zusätzlichem Gewicht. Wir kämpfen schließlich auch mit dem Winterspeck. Und überhaupt trifft das Gesagte in Vielem auch auf uns zu. Allerdings können wir selbstbestimmt damit umgehen, während unser Hund auf unsere Fürsorge angewiesen ist.

Bewegungsfreudige Hunde müssen auch im Winter viel rausBewegungsfreudige Hunde müssen auch im Winter viel raus (© Patricia Lösche)

Kopfarbeit gegen Stress und Langeweile

Manche Hunde sind charakterlich oder altersbedingt begeisterte Couch-Potatoes – wobei ein ruhig daliegender Hund nicht unbedingt ein entspannter Hund ist. Manchmal ist es ein ungeduldig auf mehr Auslauf wartender Hund, der nur die Augen geschlossen hat. Bewegungsfreudige Hunde leiden oft sehr unter der winterlichen Zwangsentschleunigung. Langeweile, kürzere Spaziergänge und weniger Hundebegegnungen belasten die Hundeseele. Beim Menschen nennt man es Winterblues, wenn Lichtmangel und Bewegungsarmut aufs Gemüt drücken. Manche Tierpersönlichkeiten schätzen es zudem überhaupt nicht, wenn sich der Tagesrhythmus verändert. Am Jahresende sorgen Weihnachten und Silvester bei vielen Hunden noch zusätzlich für psychischen Stress, der das Immunsystem ebenso schwächt, wie physischer Stress.

Ist das Wetter so schlecht, dass man keinen Hund vor die Tür lassen mag, oder kriechen Kälte und Nässe dem Hund schmerzhaft in die Knochen, sind Bello und Bella dankbar für ein Plus an Zuwendung und Spaß in Wohnzimmer und Flur. Eine gute Gelegenheit für Intelligenzspiele und das Einüben von Tricks. Trockenfutter lässt sich werfen oder suchen, damit sich der Hund bewegt. Kopfarbeit minimiert Stress, macht zufrieden, sorgt für entspannten Schlaf, verbrennt Kalorien und stärkt damit das Immunsystem und die Beziehung zum Lieblingsmenschen. Wem eigene Ideen fehlen, der zieht dafür einen Hundeverhaltensberater oder Hundetrainer hinzu.

Fazit: Wer das Immunsystem seines Hundes im Winter fit halten will, sollte vor allem

  • auch im Winter für angemessene Bewegung und Outdoor-Aktivität sorgen.
  • allen frierenden, alten, kranken und sehr schlanken Hunden mit wenig Fell einen Witterungsschutz spendieren, auch wenn Puristen darüber die Nase rümpfen.
  • Die Fütterung der geringeren Bewegung anpassen.
  • Langeweile durch Beschäftigung entgegenwirken.
  • Anzeichen von Erkrankungen ernst nehmen.
Patricia Lösche

Patricia Lösche ist freie Autorin, Text- und Bild-Journalistin. Der Dolmetscher-Ausbildung folgten Biologie- und Journalistik-Studium, freier und redaktioneller Journalismus für verschiedene große Verlage. Später dann die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin an der ATM und die Tierpsychologie-Ausbildung an der ATN. Empathie, Achtung und Verständnis auf Augenhöhe im Umgang mit Tieren sind Patricia Lösche ein besonderes Anliegen. Seit 2014 schreibt sie für ATM und ATN Blogbeiträge, ist Autorin von Skripten und betreut als Tutorin die Studierende unterschiedlicher Fachbereiche. In die Wissensvermittlung fließen mehrjährige Praxis-Erfahrungen aus der naturheilkundlichen Behandlung von Pferden, Hunden und Katzen ebenso ein, wie die jahrzehntelange Erfahrung eigener Tierhaltung. Sie ist Mitglied im Fachverband niedergelassener Tierheilpraktiker (FNT) und 1.Vorsitzende im Berufsverband der Tierverhaltensberater und –trainer (VdTT).

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