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Zootiertraining für alle Tierarten – ein neues Projekt im Hofer Zoo

Zootiertraining für alle Tierarten – ein neues Projekt im Hofer Zoo Patricia Lösche Zootiertraining für alle Tierarten – ein neues Projekt im Hofer Zoo

Zootiertraining in Deutschland

Was ist an dem Projekt „Zootiertraining für alle Tierarten“ so neu? Tiertraining gibt es ja nicht erst seit gestern. In deutschen Zoos jedoch steckt das Tiertraining vielfach noch in den Kinderschuhen, während es in Ländern wie Schweden oder den USA bereits in den Zooalltag integriert ist. Dies mag ein wenig verwundern, da Zootiertraining vor allem dank Social Media recht bekannt ist.

In den genannten Ländern ist das Alltags-Training ebenso wie das Medical Training seit langem gang und gäbe und sein Mehrwert steht außer Frage. In deutschen Zoos bedeutet(e) „Training“ bislang in den meisten Fällen lediglich das Training für Shows mit bestimmten Tierarten wie Seelöwen, Delfine oder Elefanten. Ziel hierbei ist vor allem, die Attraktivität des Zoobesuchs zu steigern. Einen Lernwert für die Besucher bieten diese Darstellungen eher nicht.

Doch auch in Deutschland findet mittlerweile ein Umdenken statt. Das Tiermanagement in den zoologischen Einrichtungen ist seit einigen Jahren einem steten Wandel unterworfen. Auch wenn es die Präsentationen bestimmter Tierarten nach wie vor gibt, treten sogenannte „edukative Programme“ in den Vordergrund, bei denen die Besucher durch ein Zusammenspiel zwischen Tier und Pfleger auf die Lebensweise bzw. die Bedrohungen der Tiere in der Natur und deren Schutz aufmerksam gemacht werden.

Zootiertraining als Alltags-Erleichterung

In diesem Zusammenhang stellt, neben den Enrichmentmaßnahmen, gerade das bewusste Training aller (!) Zootierarten eine willkommene Bereicherung des Tieralltags dar. Also nicht nur der oben erwähnten besonders spektakulären, großen, gefährlichen oder niedlichen Spezies.

Denn Training ist bei allen Zootieren von enormer Bedeutung, da hierbei u.a. Verhaltensweisen trainiert werden, die das Handling und den Arbeitsablauf mit den Tieren erleichtern, in manchen Fällen sogar erst ermöglichen. Ein wichtiger Punkt ist das sogenannte „Medical Training“. Tierarztsituationen sind bei untrainierten Tieren meist derart mit Stress verbunden, dass der Patient nur sediert behandelt werden kann.

Zootiertraining und Enrichmentmaßnahmen bilden die Basis für zufriedene ZootiereZootiertraining und Enrichmentmaßnahmen bilden die Basis für zufriedene Zootiere (© Jerome - stock.adobe.com)

Schon „einfache“ Übungen, wie das Maul auf Handzeichen zu öffnen bei der Zahnkontrolle, den Vorderlauf zu reichen zur Blutentnahme oder auf ein Zeichen hin Kot- oder Urinproben zu nehmen, erlauben einen relativ stressfreien Umgang mit sämtlichen Tieren, ohne gleich zum Blasrohr greifen zu müssen. Natürlich ist hin und wieder auch bei trainierten Tieren eine Sedierung nicht zu vermeiden.

Training bedeutet manchmal schlicht, die Tiere von einem Gehege in ein anderes zu schicken, ohne dass ein heilloses Durcheinander entsteht. Dieses „Alltags-Training“ findet zum überwiegenden Teil hinter den Kulissen statt und eignet sich nicht für spektakuläre Präsentationen. Doch gerade das Training mittels operanter Konditionierung (also dem Lernen am Erfolg) bereichert den Tagesablauf der Zootiere immens und führt zu einer besseren Beziehung zwischen Pfleger und Tieren.

Beziehungsarbeit und Bindungsaufbau zwischen Tierpfleger und Tier

Muss es noch eigens betont werden? Nein, sicher nicht: Das Training wird stets als rein positiv verstärkende Arbeit mit dem Tier verstanden. Die Tiere werden also belohnt, wenn sie eine Übung richtig ausgeführt haben. Darüber hinaus ist das Herantasten in kleinen bis sehr kleinen Schritten von enormer Bedeutung. Dem Tier wird die Option geboten zu verstehen, was der Trainer von ihm erwartet. Es agiert selbstständig mit dem Menschen als Partner. Frustration oder Überforderung können so vermieden werden.

Anfänglich wird die Etablierung des Trainings in den normalen Tagesablauf viel Zeit kosten und deshalb in manchen Tiergärten nach wie vor in Frage gestellt werden. Doch selbst wenn Nutzen und Benefit womöglich nicht gleich ins Auge springen, überwiegen ohne Frage die positiven Effekte: Es entsteht z.B. eine weitaus intensivere Bindung zwischen den Tieren und Pflegern/Trainern und daraus resultierend ein müheloseres tägliches Handling. Gerade in Stresssituationen erleichtert dies den Umgang mit ihnen maßgeblich.

Vom Targettraining profitieren sowohl die Tiere als auch die Mitarbeiter des Zoo HofVom Targettraining profitieren sowohl die Tiere als auch die Mitarbeiter des Zoo Hof (© S. Dollhäupl)

Praktisches Zootiertraining für angehende Tierpfleger

Obwohl die Vorteile eines solchen Alltagstrainings allen personellen und zeitlichen Aufwand mehr als wettmachen, sieht der Ausbildungsplan von Tierpflegern mit Fachrichtung „Zoo“ nach wie vor das Thema Zootiertraining nicht vor. Angehende Tierpfleger, die diesen Bereich in ihrem Zoo weiter ausbauen möchten, müssen sich privat fortbilden. An Weiterbildungsmöglichkeiten mangelt es nicht. Doch reichen theoretisches Wissen, eine gewisse Tierliebe, die richtige Einstellung zu bestimmten Lebewesen und das Arbeiten mit ihnen alleine nicht, um die unterschiedlichen, oft unberechenbaren Reaktionen der Tiere in ihrer Umgebung beherrschen und händeln zu können. Dazu ist sehr viel Praxis und Erfahrung nötig. Besonders ansprechend sind deshalb solche Seminare, die neben Theorie-Einheiten auch die praktische Arbeit mit dem Tier beinhalten.

Gemeinsames Lernen der ATN-Tiertrainer-Anwärter und Tierpfleger im Zoo Hof

Mit zukünftigen Seminaren der ATN im Zoologischen Garten Hof lassen sich all diese genannten Aspekte ausgezeichnet verbinden und ein kontinuierliches Zootiertraining im gegenseitigen Miteinander erfolgreich gestalten. So wird neben der Theorie den Lernenden unter fachlicher Anleitung die Möglichkeit gegeben, an unterschiedlichen Tierarten ihr erworbenes Wissen anzuwenden. Dazu werden im Vorfeld Spezies ausgewählt, die im Trainingsplan der Tierpfleger bisher noch keine Berücksichtigung gefunden haben. Die Etablierung des Trainings bei den jeweiligen Tierarten erlaubt den Schülern nicht nur, von Anfang an den schrittweisen Aufbau einer Übungseinheit mit einer untrainierten Tierart zu erarbeiten bzw. zu erlernen, sondern sie bietet im Anschluss auch den Tierpflegern die Chance, die erarbeiteten Fortschritte mit den Tieren fortzuführen. Voraussetzung ist dabei allerdings die enge Zusammenarbeit zwischen den Tierpflegern und den Lernenden.

Vorteilhaft für die Zukunft als Trainer gestaltet sich auch, die Praxiseinheit an exotischen Tieren durchzuführen. Denn das Verhalten von Tieren einschätzen zu lernen, die einem nicht alltäglich über den Weg laufen, schult das Auge eines jeden Auszubildenden.

Fazit

Die Kooperation mit der ATN bietet auch dem Hofer Zoo als einer kleineren zoologischen Einrichtung die Gelegenheit, größere Seminare und Projekte mit international anerkannten Tiertrainern auszurichten und dem eigenen Personal den Weg in das Tiertraining zu ermöglichen. Wir freuen uns auf eine gute und gegenseitig wertvolle Zusammenarbeit, die beiden Seiten viele Vorteile bringen wird.

Sandra Dollhäupl
(Zooleitung Zoo Hof)


Tiertrainerin bei der Arbeit mit einer Robbe

Diese Robbe ist Teil eines Forschungsprojektes und wird darauf trainiert, einen bestimmten Gegenstand mit der Schnauze zu berühren, hier ist es das grüne Förmchen. In einem vorigen Versuch sollte sie das gelbe Förmchen berühren und wurde dafür belohnt. Jetzt wird getestet, wie lange es dauert, bis sie merkt, dass sie nun das grüne Förmchen berühren soll (Umlern-Versuch). Das Ablegen des Kopfes auf dem gelben Ball, dem „Target“ , dient einerseits als „Denkpause“ für die Robbe, andererseits gibt es der Trainerin die Chance, die Förmchen hinter dem Rücken zu vertauschen, denn die Robbe darf ja nicht sehen, welches Förmchen gleich in welcher Hand erscheint. Und sie hat gelernt, dass sie auf dem Target warten muss, bis die Trainerin ihr die Förmchen hinhält. Wissenschaftliche Tests wie diese, Training als Enrichment für Zootiere, Medical- und natürlich Tricktraining und anderes mehr ist mit sehr vielen Tieren möglich, wenn dabei die Grundsätze der Lerntheorie berücksichtigt werden, wie sie der neue Tiertrainer-Lehrgang der ATN vermittelt

Sandra Dollhäupl

Nach dem Studium der Biologie in München und Freising widmete sich Sandra Dollhäupl ihrer Leidenschaft, der Zoologie. Den Weg in die Tiergärtnerei eröffnete ihr der Tiergarten Nürnberg. Dort arbeitete sie im Bereich der Zoopädagogik und war an der Ausführung diverser wissenschaftlicher Projekte zum Thema "Animal Welfare" beteiligt, bevor sie 2017 die Zoologische Leitung des Hofer Zoos übernahm.

Webseite: www.zoo-hof.de

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